Die bloße Messung des Blutzuckerspiegels ist ohne entsprechende Maßnahmen wenig sinnvoll. Man muss die vom Blutzuckermessgerät gelieferten Daten nutzen, anstatt sich ihnen blind zu unterwerfen.
Das Blutzuckermessgerät ≠ Der Drahtzieher
Häufig begegnen wir Menschen, die ihr Blutzuckermessgerät nutzen, um ihren Selbstwert zu messen. Zeigen die Messwerte einen gut eingestellten Blutzucker an, empfinden sie sich als „erfolgreich“ und tugendhaft; erhöhte Werte hingegen können ihnen das Gefühl geben, versagt zu haben. Manche Diabetiker haben die Blutzuckermessung so tief in ihren Alltag integriert, dass sich alles um ihre Glukosewerte dreht. Selbst ein leichter Anstieg veranlasst sie, ihre Ernährung oder ihr Sportprogramm anzupassen. Andere wiederum messen und dokumentieren lediglich ihre Glukosewerte und überlassen die Interpretation und Anpassung der Behandlung dem medizinischen Fachpersonal. Ohne aktives Feedback von medizinischem Fachpersonal stellen diese Patienten möglicherweise den Sinn der Messung infrage, wenn ihre Daten scheinbar ignoriert werden. Solche Herangehensweisen zeugen von einem Missverständnis der grundlegenden Funktion eines Blutzuckermessgeräts.
Die Aussagekraft der Blutzuckermessung
Ärzte befürworten die patientengesteuerte Blutzuckermessung aus zwei Gründen: Erstens, um Einblick in den Blutzuckerkontrollzustand des Patienten zu gewinnen und so die Medikamenteneinnahme optimal anzupassen; zweitens, um den Einfluss verschiedener Faktoren auf den Blutzuckerspiegel zu erkennen und diesen gezielt entgegenzuwirken. Blutzuckermessungen vor dem Sport beugen Unterzuckerungen vor, während Tests vor und nach der Einführung neuer Lebensmittel Aufschluss darüber geben, ob diese mit den individuellen Ernährungsbedürfnissen vereinbar sind.
Die korrekte Vorgehensweise bei der Blutzuckermessung besteht darin, dass Patienten ihren Blutzucker über den Tag verteilt messen (vor und nach dem Frühstück, Mittagessen, Abendessen und vor dem Schlafengehen, insgesamt sieben Messungen), um die täglichen Schwankungen zu erfassen. Bei stabiler Blutzuckereinstellung genügt eine ganztägige Messung alle zwei bis vier Wochen. Patienten mit starken Blutzuckerschwankungen oder bei Medikamentenanpassungen sollten ihren Blutzucker jedoch mehrere Tage hintereinander über den Tag verteilt messen.
Diabetespatienten müssen daher lernen, die Erkenntnisse aus der Blutzuckermessung optimal zu nutzen und gemeinsam mit ihrem Arzt eine klare Strategie zu entwickeln. Sie sollten genau wissen, welche Schritte bei hohem oder niedrigem Blutzucker zu unternehmen sind und unter welchen Umständen sie ihre Medikation anpassen müssen. Darüber hinaus fördert die nahtlose Integration der Blutzuckermessung in den Alltag ein effektives Selbstmanagement, ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Problemen, die umgehende Anpassung des Behandlungsplans und letztendlich das Erreichen optimaler Blutzuckerwerte.