Alle Diabetiker müssen ihren Blutzucker kontrollieren. In der Praxis kommt es jedoch immer noch häufig vor, dass Patienten über bestimmte Details nicht ausreichend informiert sind oder Missverständnisse bei der Blutzuckermessung aufweisen. Dies führt zu ungenauen, unzuverlässigen und mitunter unerwarteten Messergebnissen. Lassen Sie sich nicht länger von den folgenden Irrtümern bei der Blutzuckermessung von Diabetikern in die Irre führen.
Missverständnis 1: Die Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten sollte vor der Blutabnahme gestoppt werden.
Viele Diabetiker glauben fälschlicherweise, dass nur eine Blutzuckermessung nach Absetzen der Medikamente verlässliche Ergebnisse liefert. Tatsächlich ist es jedoch nicht ratsam, die Medikamente abzusetzen, egal ob der Nüchternblutzucker oder der Blutzucker nach dem Essen gemessen wird.
Bei der Bestimmung des Nüchternblutzuckers sollten die am Vorabend eingenommenen Medikamente (einschließlich Insulin) wie gewohnt angewendet werden; bei der Bestimmung des Blutzuckers zwei Stunden nach einer Mahlzeit sollten die vor der Mahlzeit eingenommenen Medikamente (einschließlich Insulin) ebenfalls wie gewohnt angewendet werden. Denn der Zweck des Tests besteht darin, die Blutzuckereinstellung des Patienten unter medikamentöser Therapie zu beurteilen.
Richtiges Vorgehen: Patienten dürfen die Einnahme ihrer Medikamente nicht ohne ärztliche Anweisung aufgrund von Blutzuckermessungen abbrechen. Die Testergebnisse spiegeln den tatsächlichen Zustand nicht nur nicht korrekt wider, sondern führen auch zu Blutzuckerschwankungen und einer Verschlechterung des Zustands.
Missverständnis 2: Am Tag vor der Prüfung absichtlich weniger essen.
Um ein zufriedenstellendes Testergebnis zu erzielen, machen manche Patienten vor dem Test bewusst eine Diät. Der so gemessene Nüchternblutzuckerwert mag zwar „ideal“ sein, spiegelt aber nicht den tatsächlichen Blutzuckerspiegel im Alltag wider.
Richtiges Vorgehen: Am Abend vor der Untersuchung sollten Sie wie gewohnt essen und gut schlafen. Vermeiden Sie außerdem anstrengende körperliche Betätigung, Rauchen und anregende Getränke (wie Kaffee usw.) vor der Blutentnahme am nächsten Morgen.
Mythos 3: Solange man nicht frühstückt, entspricht der Blutzuckerwert dem Nüchternblutzuckerwert.
Streng genommen gilt nur der Blutzuckerwert als „Nüchternblutzucker“, wenn er nach einer 8- bis 12-stündigen Fastenzeit über Nacht und vor 8:00 Uhr am nächsten Tag gemessen wird. Blutzuckerwerte, die nach einem „Superfasten“ von mehr als 12 Stunden oder vor dem Mittag- und Abendessen gemessen werden, gelten nicht als „Nüchternblutzucker“. Der Wert kann aufgrund der langen Fastenzeit zu niedrig sein, aber natürlich auch zu hoch (Rebound-Effekt nach einer Hypoglykämie, Hyperglykämie).
Der Nüchternblutzuckerwert kann Aufschluss über den basalen Insulinspiegel des Patienten geben und darüber, ob die am Vorabend eingenommenen Nahrungsmittel und Medikamente angemessen waren.
Richtige Vorgehensweise: Messen Sie Ihren Nüchternblutzucker. Die Nüchternzeit sollte 12 Stunden nicht überschreiten. Ob Sie gefrühstückt haben, ist dabei nicht relevant.
Mythos 4: „2-Stunden-Blutzuckerwert nach dem Essen“ bezieht sich auf den Blutzuckerwert 2 Stunden nach dem Essen.
Der hier erwähnte „Blutzuckerwert 2 Stunden nach dem Essen“ bezieht sich auf den Blutzuckerwert, der vom ersten Bissen der Mahlzeit bis 2 Stunden nach der Blutentnahme gemessen wird, und nicht erst nach der Mahlzeit. Warum werden die 2 Stunden vom ersten Bissen und nicht vom Ende der Mahlzeit berechnet? Ganz einfach, weil der festgelegte Referenzwert ein so gängiger Standard ist.
Unter normalen Umständen erreicht der Blutzuckerspiegel 0,5 bis 1 Stunde nach einer Mahlzeit seinen Höchstwert und sollte 2 Stunden nach einer Mahlzeit wieder auf den Nüchternwert vor der Mahlzeit sinken. Der Blutzuckerspiegel 2 Stunden nach einer Mahlzeit kann Aufschluss über die Reservefunktion der β-Zellen der Langerhans-Inseln (die Fähigkeit des Körpers, die Insulinausschüttung nach einer erhöhten Zuckerzufuhr zu steigern) sowie darüber geben, ob die Mahlzeit und die Medikamentendosierung angemessen sind.
Korrekte Vorgehensweise: Der 2-Stunden-postprandiale Blutzuckerwert bezieht sich auf den Blutzuckerwert, der vom ersten Bissen der Mahlzeit bis 2 Stunden nach der Blutentnahme gemessen wird.
Missverständnis 5: Nur den Nüchternblutzucker messen.
Viele Diabetiker achten nur auf ihren Nüchternblutzucker und ignorieren den Blutzucker nach dem Essen. Tatsächlich setzt sich der Blutzuckerwert im Laufe des Tages aus dem Nüchternblutzucker und dem Blutzuckerwert nach dem Essen zusammen. Da man den größten Teil des Tages im postprandialen Zustand verbringt (also innerhalb von vier bis sechs Stunden nach einer Mahlzeit), spielt der Blutzuckerwert nach dem Essen eine wichtige Rolle für den gesamten Tagesverlauf. Der Gesamtblutzuckerwert trägt sogar noch mehr dazu bei.
Studien haben bestätigt, dass bei Diabetes der Blutzucker nach dem Essen oft zuerst ansteigt, gefolgt vom Nüchternblutzucker. Im Vergleich zur Nüchternhyperglykämie ist die postprandiale Hyperglykämie bei Diabetespatienten enger mit chronischen Komplikationen (insbesondere kardiovaskulären Komplikationen) verbunden und hat schwerwiegendere Folgen.
Richtiges Vorgehen: Die alleinige Messung des Nüchternblutzuckers reicht nicht aus. Die Blutzuckermessung muss kontinuierlich erfolgen.
Missverständnis 6: Der Nüchternblutzuckerwert ist hoch und der Blutzuckerwert in der Nacht wird nicht gemessen.
Die Ursache einer Nüchternhyperglykämie kann in einer unzureichenden Dosierung von Antidiabetika (oder Insulin) am Vorabend oder in einer Überdosierung mit anschließender Rebound-Hyperglykämie nach nächtlicher Hypoglykämie liegen. Obwohl in beiden Fällen ein erhöhter Nüchternblutzuckerwert vorliegt, unterscheiden sich die klinischen Behandlungsansätze grundlegend. Im ersten Fall muss die Dosis der Antidiabetika erhöht, im zweiten Fall reduziert werden.
Richtiges Vorgehen: Bei Patienten mit hohem Nüchternblutzucker ist es notwendig, den Blutzucker nachts (am frühen Morgen) zu messen, um die Ursache des hohen Blutzuckerspiegels zu ermitteln. Eine übereilte Dosiserhöhung kann die nächtliche Hypoglykämie verschlimmern und sogar zu Unfällen führen.
Missverständnis 7: Überwachung folgt Gefühlen
Aufgrund der unterschiedlichen Lebensumstände von Menschen mit Diabetes gibt es auch Unterschiede in der Selbstwahrnehmung. Daher stimmt der Blutzuckerspiegel in vielen Fällen nicht vollständig mit der Selbstwahrnehmung überein, und die Schwere der subjektiv wahrgenommenen Symptome kann den tatsächlichen Krankheitszustand des Patienten nicht vollständig widerspiegeln.
Insbesondere bei manchen älteren Patienten sind die Symptome trotz sehr hohem Blutzuckerwert nicht eindeutig. Verlassen sie sich nur auf ihr Gefühl und verzichten auf regelmäßige Kontrollen, wird der hohe Blutzuckerspiegel wahrscheinlich übersehen und nicht ausreichend kontrolliert, was zu Diabetes-Komplikationen führen kann. Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, steigt dadurch erheblich.
Richtige Vorgehensweise: Die Blutzuckermessung darf nicht auf dem Gefühl basieren, sondern muss nach den Regeln der Blutzuckermessung erfolgen.
Missverständnis 8: Nur Überwachung ohne Aufzeichnung, die ein für alle Mal durchgeführt werden kann.
Neben den Ergebnissen jeder einzelnen Messung sollten die Blutzuckermessprotokolle auch Angaben zur entsprechenden Ernährung, Bewegung und Medikamenteneinnahme enthalten. Diese detaillierten Informationen helfen Patienten nicht nur dabei, ihre Blutzuckereinstellung selbst zu dokumentieren, sondern dienen auch als Grundlage für die Diagnose und Behandlung durch Ärzte.
Die Blutzuckermessung sollte regelmäßig erfolgen, wobei die genaue Häufigkeit vom individuellen Zustand des Patienten abhängt. Bei Patienten mit schweren Erkrankungen und starken Blutzuckerschwankungen ist es zur umfassenden Beurteilung des Krankheitsbildes oft notwendig, an zwei Tagen pro Woche den Blutzuckerverlauf über den gesamten Tag zu messen, einschließlich nüchtern (oder vor den drei Mahlzeiten), nach den drei Mahlzeiten, vor dem Schlafengehen und am frühen Morgen. Blutzuckerwert um 3:00 Uhr.Wenn sich Ihre Lebensgewohnheiten ändern (z. B. auf Geschäftsreise gehen, an einem Bankett teilnehmen usw.) oder wenn Sie an einer körperlichen Erkrankung leiden (z. B. Schlaflosigkeit, Erkältung, Angina pectoris, Schwangerschaft usw.), sollten Sie die Häufigkeit der Selbsttests ebenfalls erhöhen.
Ist der Zustand des Patienten jedoch stabil, genügt es, einen Tag pro Woche zur Überwachung des Nüchtern- und des postprandialen Blutzuckerspiegels auszuwählen.
Richtiges Vorgehen: Die Ergebnisse der Blutzuckermessung müssen dokumentiert, die Ursachen für hohe und niedrige Blutzuckerwerte analysiert und die Behandlungsstrategien zeitnah verbessert werden.
Missverständnis 9: Vernachlässigung der regelmäßigen Überwachung des glykierten Hämoglobins
Der Blutzuckerwert zum Zeitpunkt der Blutentnahme gibt den unmittelbaren Blutzuckerspiegel wieder, während das glykierte Hämoglobin den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten drei Monate widerspiegelt. Die beiden Werte haben unterschiedliche Bedeutungen. Der Blutzuckerwert wird stark von bestimmten Faktoren beeinflusst (wie Ernährung, Schlaf, Erkältung, Fieber usw.), während der HbA1c-Wert von solchen Faktoren unbeeinflusst bleibt und den allgemeinen Blutzuckerspiegel der Patienten in den letzten drei Monaten genauer und objektiver abbildet.
Richtige Vorgehensweise: Eine umfassende Überwachung des Nüchternblutzuckers, des postprandialen Blutzuckers und des glykierten Blutzuckers kann die Blutzuckerkontrolle vollständig widerspiegeln.
Missverständnis 10: Bei einer Nüchternblutuntersuchung sollte man zu Hause Insulin einnehmen und dann ins Krankenhaus gehen.
Manche Patienten, die zur Behandlung vor den Mahlzeiten Insulin spritzen müssen, spritzen sich wie gewohnt vor dem Krankenhausbesuch zur Blutentnahme im Fastenzustand Insulin, essen aber bis dahin nichts. Dies ist jedoch sehr gefährlich für die Patienten.
Da die Zeit für den Weg ins Krankenhaus und die Wartezeit bei der Blutabnahme schwer zu kontrollieren ist, muss, falls die Blutabnahme nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit erfolgen kann, die Mahlzeit verschoben werden, was das Risiko einer Hypoglykämie erhöht.
Richtiges Vorgehen: Es wird empfohlen, dass solche Patienten ihre Insulinpen Begeben Sie sich ins Krankenhaus. Nach der Blutentnahme sofort Insulin spritzen und anschließend essen. Dadurch wird die Behandlung nicht verzögert und unerwünschte Situationen werden vermieden.